La petite Madame de la Wotrube


Es war an einem Nachmittag, Madame de la Wotrube schien zu Erledigungen in der näheren Umgebung unterwegs, ihr Mann wie immer bei der Arbeit, die Kinder für eine kurze Zeit allein zuhause. Die Mutter hatte sich vermutlich verspätet, den beiden Kleinen wurde langweilig, daraus erwuchs ihnen die Idee, sich die Kleider der Eltern anzulegen. Die herumstehenden großen Schuhe waren wohl Anlass zum Vorhaben. Der Bub schob kicksend seine kleinen Füße in die Weiten der väterlichen Fußbekleidung, seine Schwester warf ihm Vaters unendlich große Jacke um, in welcher er schon fast verloren ging, dann eine Krawatte aus dem Kleiderkasten, deren Knoten sowohl in rechter Bindung als auch in angemessener Kleinheit lange nicht gelingen wollte, zum Schluss das Prachtstück, Papas einziger Hut, dem Kindergesicht übergestreift stützte der sich auf den Schultern des Kleinen ab, so dass der fast im Dunkeln stand. Aber gerade das in den Dimensionen so fürchterlich Unpassende machte den Kindern kindliche Freude. Nun die junge Dame ausstaffieren: Mutters frisch gewaschene Bluse, darüber ein blumenbedrucktes leichtes Kleid, ein leuchtendes Halstuch und obendrauf der große rote Hut mit gelber Rose. Kinder, war das eine Pracht! Welch‘ ein Gefühl. Fehlte doch noch was, Handschuhe und … natürlich, ja Fußschuhe. Wo waren die nur, die mit den komischen Absätzen, ach ja, unter dem Bett. So, das war‘s. Plötzlich aber verebbte das lustige Kichern: Ja, was denn jetzt? Die Langeweile, Plagegeist so vieler Kinder groß und klein, ernüchterte sie beide. „Komm Mucki, ich weiß, was wir tun, komm, fass meine Hand!“ Das Mädchen ergriff die kleine Hand des Brüderchens, öffnete die doppelte Wohnungstüre, mehr die Schuhe schiebend als in ihnen gehend, überquerten sie die Hausdurchfahrt und gelangten unbeholfen zur zwar breiten, aber kräftig ausgetretenen hölzernen Halbkreis-Wendeltreppe, die für die beiden Kleinen zum erheblichen Beschwernis wurde, weil die Tritte vom großen Treppenradius zum kleinen hin spitz zuliefen. Die Sache erwies sich als halsbrecherisch, aber Fräulein Wotruba gab nicht auf, entschlossen zog sie das regelrecht torkelnde Geschwister hinter sich her. Unter Geklapper und Gepolter der lockeren Schuhe erreichten die Beiden die oberste, etwas zu schmale und daher unkomfortable Treppenstufe, hielten vor der Eingangstüre zum Wohnbereich des ersten Stockes, leicht unschlüssig und wohl auch hinter Atem, inne. Liesl, die Schwester, verunsichert durch ihren eigenen Einfall, griff zögernd auf die im schlecht beleuchteten Wendeltreppenhaus kaum sichtbare Klingel in der Mitte der Türe, ein Relikt von Annodazumal, ohne Knopf, ohne Strom, nur mechanisch durch Hin- und Herdrehen einer Art halbrunder Klinge zu betätigen. Rasch zog sie ihr Ärmchen zurück. Stilles, gespanntes Warten. Sie drückte die altmodische Messingklinke, die ebenso altmodische, aber schöne Haustüre wich in den Vorraum hinein zurück.