Der Mann in Schwarz

Jetzt war ihm klar, nur mehr weglaufen konnte ihm helfen. Und er rannte, so schnell, dass er fast über seine eigenen Beine stolperte, der Rur zu, dem Fluss, der die Stadt durchquert. Warum gerade dorthin? Die Bismarkbrücke war gegen Kriegsende unter der Bombenlast ins Wasser zerfallen, übergroße Ziegelsteinbrocken hatten sich an der steilen Böschung ineinander verkeilt. An ihnen hangelte er sich hinab bis zum Ufer. Da drüben, da, die kahnartigen Boote, von den Amerikanern zurückgelassen, die könnten seine Rettung sein! Obwohl . . . , die beiden Verfolger würden ihm auch hierher nachstellen. Er überlegte kurz, doch schon ließ ihn irgendetwas in ihm einfach flussaufwärts rudern, so kräftig seine ungeübten Muskeln es nur zuließen. Dennoch, der Abstand zu den Verfolgern wurde immer kleiner.

Freiheit ist nur der Abstand zwischen Jäger und Gejagtem, fuhr es durch seinen hastigen Kopf. Er blickte nach vorn, was er sah, machte ihm ein wenig neuen Mut und verlieh seinen Armen wieder etwas mehr an Kraft; riesige Trümmerbrocken lagen da vor ihm im Fluss, denn auch die obere Brücke etwas weiter flussaufwärts, die mit dem heiligen Johannes von Nepomuk, lag im Wasser, wie ein zerbrochenes Rückgrat. Es gelang ihm, sich auf einer zufällig offen gebliebenen, kaum einsehbaren Fahrrinne mit seinem Kahn irgendwie zwischen den Brückenresten hindurchzuzwängen. Wie er erst jetzt bemerkte, versperrte ihm einer der mächtigen Pfeilerstümpfe einen Moment lang die Sicht zurück auf seine Verfolger. Das war seine Chance, da auch sie ihn nicht sehen konnten.
 
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