Kunst für die Säue

Rescue-Island, eine grüne, ziemlich kleine Insel im Süden der großen. Sie ist nicht mehr bewohnt, sie war es einmal, von frommen Patres, der Kreuzweg, durch den sie so oft betend und meditierend geschritten waren, in Umrissen kann man ihn noch erkennen. Auch die Größe des gotischen Kirchenschiffes lässt sich noch erahnen, selbst noch ihr Hinstreben zur Göttlichkeit wie die gefalteten Hände, zum Gebet gen Himmel aufgerichtet.

Ein heiliger Ort, ehedem, verlassen nun, ein steinernes Meer, aus dem die Reste der großen Architektur wie spitze Felsenriffe herausragen. Für die Frommen ein Altar des Göttlichen, für die Säkularen ein Altar der Kunst. Eben, verlassen nur, überwachsen vom rankigen Grün der Natur, die weder das Göttliche noch die Kunst zu begreifen vermag. Sie überwächst alles, ganz respektlos und unheilig.

Es raschelt im Unterholz, man hört angefaulte Äste brechen, das Echo bricht jeden Ast ein zweites Mal, nichts sieht man, nur Grün der Blätter und manchmal Braun der Äste. Dunkles Rollen, wie von rauer tiefer Stimme, dringt aus dem wilden Gegrün. Plötzlich wieder alles still. Wie Luftholen oder Probehorchen. Dann geht das Rollen und Wälzen wieder weiter.

Da, an der ehemaligen Chorwand, in der schmalen Lichtung, eine nicht zählbare Gruppe, unruhig wie eine Reisegruppe, Wildschweine in allen Größen und Stärken, die kleinen bringen ihre Zebrastreifen gleich mit, das ganze Schauspiel angeführt von einem mächtigen Führerschwein. Mit seiner großen Schnauze beschnüffelt es alles, jeden Stein, schüttelt dabei immer wieder den Kopf mit dem fettleibigen Hals, trampelt nieder, was niederzutrampeln geht, ungeduldig, wendet immer wieder den Kopf zurück, und in Schweinesprache raunzt es enttäuscht seinen unterwürfigen Heerscharen zu: „Nichts als Steine hier, nur Steine, geht nix zu fressen, alte Steine.“ Kopfschüttelnd und enttäuscht verlässt es den heiligen Ort, nicht ohne vorher noch ein Zeichen seiner Respektlosigkeit und Verachtung unmittelbar an der ehemaligen Chorwand abgesetzt zu haben. Die meisten taten es schnell nach, erleichterten sich wohlig, wo sie gerade geparkt und die steinerne Botschaft soeben empfangen hatten.

Wieder das Rollen und Wälzen, das Ästeknacken, das zweite Ästeknacken, vorbei. Stille. Unerkannt liegen das Göttliche und die Kunst zwischen Verfall und Skatophilem. Das Schweigen des Ortes nimmt alles in sich auf. Stille.

Plötzlich ein Prasseln, vom letzten noch stehengebliebenen Gewölbedienst, der oberste Stein ist nieder- und krachend in Stücke gegangen; stille Stille.