Abgesang eines Dorforganisten

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Abgesang eines Dorforganisten

Der Autor Wilhelm Kufferath von Kendenich schildert die Erfahrungen und Beobachtungen des Organisten Wilhelm Kufferath von Kendenich, der allwöchentlich ehrenamtlich den Orgeldienst in einer kleineren Dorfkirche versieht. Diesmal sitzt er auf seiner Orgelbank, nicht spielend, sondern seinem Instrument anvertrauend, was er so alles durch sein Spiel und während seines Spiels erlebt hat. Fröhliches, Nachdenkliches und Spannendes.
121 Seiten, 4 s/w Abbildungen, Halbleinen, 21,0 cm x 17,4 cm,
ISBN-Nr. 3-907048-20-2


Inhalt
Vom 4. Tag der Karwoche bis zum 6. Tag hat die Orgel zu schweigen. Es sind die ruhigsten Stunden im Kirchenraum. Der Organist erzählt seiner Orgel von seinen ersten Erlebnissen mit diesem Instrument in der Kinderzeit, von seinem Wunsch, wie ein Organist spielen zu können, von den Widerständen, die sich diesem Wunsch entgegen stellten, von den Mühen, schließlich doch einen Weg gefunden zu haben. Und er beschreibt die Art seiner merkwürdigen Spielweise, die durch eine starke Sehbehinderung zustande kam. Das Buch entwickelt sich weiter mit der Beobachtung der gesanglichen Reaktion der Gottesdienstbesucher auf die Spielweise des Organisten. In feinsinniger Weise ist die Rede von der psychologischen Wirkung des gottesdienstlichen Orgelspiels auf den Organisten selbst und auf die zum Mitsingen aufgerufene Gemeinde. Bilder von Freude und Trauer tauchen vor den Augen des Organisten auf. Er sitzt an höchster Stelle im Hause Gottes, er hat die größte Macht unter diesem Dach. Denn ihm ist es gegeben, die Singenden zu beflügeln, aber die Sänger auch zum unsicheren Gesang zu bringen. Mit lautem Krach könnte er sogar den Abbruch des Dienstes an Gott erzwingen. Mit vielen Beobachtungen zum Verhalten der Menschen in der Kirche, mit der Veränderung der Gesangskultur in humorvoller Sprache. Weiter führt das Buch im abschließenden Anhang zu Aufbau des traditionellen Kirchenliedes, in dem auch der Begriff des Abgesangs abweichend von der Alltagssprache dargelegt wird. Kaum einer der Kirchenbesucher hat je solche Gedanken gedacht.

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Buchaufbau
Das Buch besteht aus einem Vorwort und drei Hauptteilen, einem Ausklang, einem erklärenden Anhang und dem Schluss mit einem Kontrafakt. Im Mittelteil finden sich die berührenden Zeilen: Gebet aus Sarajewo.

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Keywords
  • Mühen eines Organisten
  • Freude am atonalen Orgelspiel
  • Macht des Organisten
  • Einfluss des Organisten auf den Gesang
  • Psychologie des Orgelspiels
  • Organist als Beobachter der Menschen
  • Niedergang des Kirchengesangs
  • Struktur eines Kirchenliedes
  • Ursprung der Kirchenlieder
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Textprobe
Aber, es gibt auch jenes andere Element in mir, das so sehr säkular und profan ist, und dennoch da, ich will es nicht verschweigen: ich darf von da oben her das Geschehen begleiten, viel mehr noch, es leiten. Wie die Gemeinde singt, wie sie sich dabei fühlt, das hängt nicht wenig von der Art meines Spieles ab. Ich bestimme ihren Einsatz. Wenn das klingende Zeichen der Töne herunter zu ihnen kommt, beginnen die Gläubigen, ihre Stimmen zu erheben. Gebe ich mit meinem Vorspiel das Zeichen kräftig vor, dann singen sie entschlossen und kräftig; bringe ich meine Zeichen in den Tönen des Vorspiels neblig, schwach, unentschlossen, unklar, verschwommen an, dann ist auch ihr Gesang neblig, schwach, unentschlossen, unklar, verschwommen. Gebe ich in den Klängen Trauer vor, so können die Singenden sich ihr nicht verschließen, frohlockt mein Spiel, frohlockt auch ihre Seele, wenn deren Last nicht schon alles in ihnen erdrückt. Ich kann sie verwirren und beglücken, langweilen und anregen. Und singen die Singenden nur schleichend und matt und leise mit, dann spiele ich noch leiser als ihr Gesang, auf dass sie bemerken, wie dünnlich es aus ihren Kehlen kommt und sie darob ein wenig peinlich berührt werden. Und schon heben beide, sie mit ihren Stimmen, ich mit meiner Orgel, wieder kräftig an und machen das Lob zum Laus Dei. Gelingen die Umstände, die Stimmung, der Anlass, die Liedwahl und schließlich meine Spielweise zu innigstem Einklang miteinander, dann werden die Menschen von innen her gegriffen, ihre Seelen lösen sich aus deren Verankerung in ihren Leibern und treten aus ihnen heraus in den Kirchenraum, ihn zu erfüllen, und als Ausdruck höchsten religiösen Glücks beginnen einige Stimmen wie von selbst die Melodie in der Terz, jener wohlig wärmsten Tonstufe, welche die Musik erschaffen hat, zu begleiten.

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